Naturtherapie ist ein salutogenes Heilverfahren bei welchem in achtsamen Naturbegegnungen intensive Selbsterfahrungen gemacht werden. Sich mit der Natur zu verbinden und ihre natürlichen Wandlungsprozesse verstehen, ermöglicht ein bewusstes Empfinden über eigene Emotionen und Lebensbedingungen und wirkt so der Entfremdung als Ursache des Leidens entgegen. Sie ermöglicht einen Zugang zu unseren selbstregulativen Ressourcen.
Naturtherapie kann entweder gemeinsam mit der Therapeutin in der Natur stattfinden oder indoor im Gespräch, wo selbstgemachte Erfahrungen der aufgegebenen Übungen besprochen und bearbeitet werden.
Das Naturcoaching ist Teil der psychologischen Beratung und auch hier kann die Begegnung mit der Natur von großem Wert sein. In erster Linie geht es beim Coaching um die Hilfestellung bei konkreten Problemen in der Lebensbewältigung oder der Hilfe in der Selbstwertstärkung. Auch wenn im Naturcoaching die selben Methoden zum Einsatz kommen können wie in der Naturtherapie, können Klient/innen auch Menschen ohne psychischen Störungen sein. Im Gegensatz dazu greift Natur-Psychotherapie tiefer und dient der Heilung von Störungen oder Krankheiten.
„Es ist ein angenehmes Geschäft, die Natur zugleich und sich selbst zu erforschen, weder ihr noch seinem Geiste Gewalt anzutun, sondern beide durch gelinden Wechseleinfluss miteinander ins Gleichgewicht zu setzen.“ (Johann Wolfgang v. Goethe (1960): Maximen und Reflexionen. Berliner Ausgabe. Kunsttheoretische Schriften und Übersetzungen, Band 18, S. 642.)
Die spezialisierte Therapieform der Kunsttherapie wird bereits schon lange in Prävention und Rehabilitation angewandt. Sich kreativ-gestaltend auszudrücken ist ein Grundbedürfnis des Menschen und wirkt per se schon heilsam; im psychotherapeutischen Kontext auch heilend.
Sie dient zur Stärkung und Weiterentwicklung individueller, kreativ-schöpferischer Fähigkeiten und Ressourcen, Verbesserung der Wahrnehmungs-, Beziehungs- und Kommunikationsfähigkeit Und der bewussten Nutzung von Symbolisierungs-, Beziehungs- und Wahrnehmungsprozessen innerhalb der Therapie.
Das archaische Symbol des viergeteilten Kreises ist sehr alt und entstand aus der unmittelbaren Naturanschauung indigener Gesellschaften. Es ist ein Symbol für das menschliche Selbst im Gesamtzusammenhang der Natur.
Die vier Schilde/ Jahreszeiten/ Gesichter des Menschen entsprechen den vier Schilden/Jahreszeiten/ Gesichtern der Erde und bestehen aus ihnen. Im Menschen zeigen sich die vier Aspekte als das Leibliche, das Psychische, das Rationale und das Spirituelle.
Eine von mir bevorzugte Methode ist die „Vier-Schilde-Therapie“, ein sehr wirkungsvolles Instrument, um zu erkennen wo eine Person in ihrem Lebensprozess oder der Bewältigung eines konkreten Lebensereignis steckt, um im anschließenden Übungsritual das dynamische Gleichgewicht des Schilde-Systems wiederherzustellen. Es ist eine eindrückliche Möglichkeit, um erlebbar zu machen, wie der Mensch selbst Natur ist und aus dieser Verbindung „für sich Antworten“ schöpfen kann.
In der Ritualarbeit bewegen wir uns in einem Grenzbereich zur Naturmystik, ohne jedoch den wissenschaftlich therapeutischen Raum zu verlassen. Im Gegensatz zu spirituellen Naturzugängen (z.B. Schamanismus) werden in der Naturtherapie die Naturphänomene immer subjektiv und nicht faktisch gedeutet. Ein Naturgegenstand, eine Idee, eine Begegnung kann als bedeutungsvoll erkannt werden, obwohl man noch nicht weiß, warum. Man spürt und erahnt lediglich, dass in dieser Sache mehr steckt, aber man kann es sich noch nicht erklären, weil das Symbol ein Entwicklungspotenzial für unbewusste Selbstprozesse birgt. Vor allem Übergangs- und Heilungsrituale sind der seelischen Entwicklung und Heilung sehr dienlich.